Beginnt mit Wasser
Geschichte einer Kunst
Ebru ist der Ort, an dem Geduld und Zufall zusammenkommen. Die Farbe wird aufs Wasser gelegt; den Rest überlässt man dem Fluss.
„Ebru ist das Gedächtnis des Wassers; es erlebt denselben Moment nie wieder.“
Was ist Ebru?
Ebru ist die jahrhundertealte Kunst, natürliche Pigmente auf verdicktes Wasser zu streuen, sie mit ein wenig Ochsengalle an der Oberfläche schwimmen zu lassen und mit Pinsel, Nadel und Kamm zu lebendigen Mustern zu formen. Im letzten Augenblick legt man ein Blatt Papier auf das Wasser – und es nimmt das Bild in einem einzigen Atemzug auf. Der Name geht auf das persische „abr“, die Wolke, zurück: Ebru bedeutet so viel wie „wolkig“. Aus Zentralasien gelangte die Kunst über die Seidenstraße ins Osmanische Reich, wo sie ihre klassische Form fand; 2014 nahm die UNESCO sie in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.
Jede Farbe hat ihre eigene Sprache: Blau erzählt von Unendlichkeit, Rot von Leidenschaft, Grün von Ruhe, Gelb von Licht. Doch Ebru lässt sich nicht erzwingen – der Künstler gibt nur die Richtung vor, das letzte Wort hat immer das Wasser. Genau darin liegt sein Zauber: Kein Muster lässt sich exakt wiederholen; jedes Werk entsteht ein einziges Mal und trägt den Zufall dieses Augenblicks für immer in sich.

1400+
Jahre Tradition
2014
UNESCO-Erbe
100 %
Naturpigment
1/1
jedes Werk einzig

Die Künstlerin
Zwischen Klassenzimmer und Ebru-Becken.
Ihre Liebe zum Ebru reicht über zehn Jahre zurück – bis in ihre Studienzeit in der Türkei, wo diese Kunst zu ihrer großen Leidenschaft wurde. Seither hat sie sie nie wieder losgelassen: Sie gab Workshops an der Volkshochschule Trier und in der Remise in Quint, in der Kunsthalle Bremen und bei zahlreichen Organisationen – und zeigte ihre Arbeiten samt Live-Vorführungen auf der Bremer Messe. Bei all diesen Stationen geht es ihr um dasselbe: Menschen jenen ruhigen, fast meditativen Moment erleben zu lassen, in dem Farbe und Wasser zueinanderfinden.
Im Alltag ist sie sozialpädagogische Fachkraft an einer Bremer Grundschule und begleitet Kinder mit Geduld und Feingefühl. Als Mutter eines kleinen Sohnes verbindet sie diese pädagogische Ruhe ganz selbstverständlich mit ihrer künstlerischen Seele. Vielleicht ist genau das ihr Ebru: dem Fluss der Dinge zu vertrauen und aus Geduld etwas Schönes entstehen zu lassen. Jedes Werk auf dem Wasser trägt beides in sich.